In Kürze: Europäische Serien Part I

Europäische Serien sind ja ein bisschen mein Steckenpferd und auf dem alten Blog habe ich eine zeitlang fleißig kurze Rezensionen geschrieben. Weil ich die nicht auf meiner Festplatte verkümmern lassen will und vorhabe, in der Zukunft auch wieder Serien kurz zu rezensieren (zu manchen gibt es einfach nicht genug zu sagen für einen ganzen Beitrag), gibt es hier nun die erste Sammlung an Serienrezensionen:

Hellfjord

InfoPlotTrailer
Genre: Comedy, Krimi
Umfang: 7 Folgen in 1 Staffeln, jeweils ca. 30 Minuten lang
Herkunft: NRK1, Norwegen, 2012
Ansehen: DVD/Amazon Instant Video
Regie: Patrik Syversen
Drehbuch: Zahid Ali, Stig Frode Henriksen, Tommy Wirkola
Darsteller: Zahid Ali, Stig Frode Henriksen, Ingrid Bolsø Berdal, Thomas Hanzon
Der Polizist Salmander wird, nachdem er sein Polizeipferd erschoss, mit einer Tuba erschlug und rückwärts überfuhr, von Oslo in das winzige Örtchen Hellfjord versetzt, um dort die Zeit bis zu seiner Entlassung zu verbringen. Dort trifft er auch einige schräge Charaktere – und einen Mord.
 Warnung für Blut und Gewalt gegen Tiere

Hellfjord tauchte irgendwann mal auf irgendeiner Liste mit Serienempfehlungen aus dem europäischen Raum auf und wegen der Kürze habe ich es eine Zeitlang nach der Arbeit geguckt. Hellfjord fällt auf jeden Fall in die Kategorie „so bescheuert, dass es schon wieder cool ist“.

Der Trailer gibt meiner Meinung ziemlich gut wieder, wie die gesamte Serie gestaltet ist und in welcher Richtung sich der Humor bewegt (immerhin ist Hellfjord primär eine Comedyserie und nur sekundär ein Krimi). Und der Humor ist schon sehr speziell – ich habe mich da erstmal rantasten müssen und fand die Serie erst ab der zweiten oder dritten Folge so richtig witzig. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Grotesken und dem Überzogenen – was für skandinavische Komödien ja nicht ungewöhnlich ist. Für mich hat das auf jeden Fall gut funktioniert, ich muss aber einräumen, dass der Humor für viele vermutlich eher nicht rüberkommen wird.

Ansonsten spreche ich ja gerne über gut gezeichnete Charaktere und durchdachte Storylines, aber beides ergibt sich bei Hellfjord ein bisschen. Das ist zum einen der Kürze geschuldet (die Serie läuft insgesamt ja gerade einmal 3 1/2 Stunden) und zum anderen auch schlicht nicht der Anspruch der Macher gewesen. Stattdessen wird sich auf überzeichnete Stereotypen berufen und eine eher einfach Handlung gestrickt, die dann am Ende der letzten Folge auch ihren Abschluss findet.

Manchmal schießt Hellfjord allerdings ein bisschen übers Ziel hinaus und driftet vom Grotesken ab ins Beleidigende (wie Comedys der Kategorie wie Hellfjord ja oftmals tun). Es hielt sich allerdings in Grenzen und der überwiegende Eindruck blieb positiv.

Hellfjord ist durchaus eine witzige, unterhaltsame Serie, die theoretisch an einem Nachmittag geguckt werden könnte. Sie ist auf jeden Fall empfehlenswert für Fans grotesken, skandinavischen Humors. Mich hat die Serie auf jeden Fall 7 Abende lang wirklich gut unterhalten.

Rejseholdet

InfoPlotTrailer
Genre: Krimi/Drama
Umfang: 32 Folgen in 4 Staffeln, jeweils ca. 58 Minuten lang
Herkunft: DR1, Dänemark
Ansehen: Staffel 1 auf DVD
Regie: Jørn Faurschou, Charlotte Sieling, Martin Schmidt, Ole Christian Madsen
Drehbuch: Peter Thorsboe, Rumle Hammerich, Mai Brostrøm
Darsteller: Mads Mikkelsen, Charlotte Fich, Lars Brygmann, Waage Sandø, Trine Pallesen, Lars Bom
Rejseholdet oder international auch Unit One folgt einer Sondereinheit der dänischen Polizei, die mit einem Container ausgestattet durch das ganze Land reist und Fälle löst.

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich Rejseholdet wirklich nur geguckt, weil Mads Mikkelsen da mitspielt und es irgendwie trashig aussah. 32 Folgen später zählte ich die Serie zu einem meiner absoluten Lieblinge aus Dänemark.

Rejseholdet kann nicht mit den großen dänischen Krimiserien der letzten Jahre wie Bron/Broen oder Forbrydelsen mithalten, das wird relativ schnell klar. Die Serie lief in Dänemark zwischen 2000 und 2004 und damals waren die Maßstäbe offenbar doch noch anders in Dänemark.

Rejseholdet ist ein bisschen trashig. Die Serie ist auch kein großes Charakterdrama und hat eine wesentlich höhere Aufklärungsquote als Sarah Lund und Saga Noren zusammen (es wird ind er Regel ein Fall pro Folge gelöst, vereinzelt gibt es Doppelfolgen). Anders wäre das Konzept der reisenden Einheit aber auch obsolet, so ist das Team jede Folge in einer anderen Ecke Dänemarks (besonders spaßig, wenn man rufen kann „Da war ich auch schon!“) und ermittelt eben dort. Auch die Aufklärungen der Fälle sind meistens eher auf standard Krimiserien-Niveau, driften aber auch gelegentlich in den Trash ab (mein liebstes Beispiel: In einer Folge wurde das Opfer mit einem gefrorenen Fisch erschlagen).

Großer Vorteil sind auch die Charaktere, die zwar auch keine super tiefgründigen Musterbeispiele an Komplexität sind, die aber sympathisch und unterhaltsam sind. Gerade Lars Brygmann als Thomas La Cour mochte ich wirklich gerne.

Insgesamt ist Rejseholdet super unterhaltsam und es ist eine absolute Tragödie, dass im deutschsprachige Raum nur die erste und die vierte Staffel veröffentlicht wurden (was absolut keinen Sinn macht, weil die vierte Staffel ohne die Vorgeschichte nur so semi-gut funktioniert).Die Serie ist kurzweilig und bietet genau das richtige Maß an Trash, um witzig aber nicht lächerlich zu sein. Leider gibt es die Serie momentan nur in Teilen auf DVD zu kaufen, was nicht unbedingt die beste Strategie der Distribution ist, aber nun gut.

Ainsi Soient-Ils

  
InfoPlotTrailer
Genre: Drama
Umfang: 24 Folgen in 3 Staffeln, jeweils ca. 45 Minuten lang
Herkunft: Arte-Eigenproduktion aus Frankreich
Ansehen: Amazon Instant Video, Maxdome
Regie: Rudolphe Tissot, Elizabeth Marre, Olivier Pont
Drehbuch: David Elkaïm, Vincent Poymiro, Bruno Nahon
Darsteller: Thierry Gimenez, Julien Bouanich, Samuel Jouy, Clément Manuel, Jean-Luc Bideau, Céline Cuignet
Die Handlung ist in den Grundzügen schnell erzählt: Die Serie folgt den Kapuzineranwärtern Yann, Raphael, Emmanuel, Guillaume und José dabei, wie sie sich zuerst durch das Studium navigieren und später dann im echten Leben beweisen müssen.

Ich weiß gar nicht mehr so genau, warum, wieso und weshalb ich Ainsi Soient-Ils geguckt habe. Vermutlich einfach, weil es Donnerstags auf arte lief – ein Sendeplatz, dem ich inzwischen tiefstes Vertrauen entgegen bringe und der mich bisher selten enttäuscht hat.

Für mich persönlich war Ainsi (wie ich die Serie aus Ablehnung des nicht ganz so schicken deutschen Titels und Faulheit, ständig den französischen Titel zu tippen genannt habe) eine der Serien, die mich von Anfang an total überzeugten: Ich mochte die Charaktere von der ersten Folge an und fand es spannend, ihnen zu folgen. Und gerade die ersten beiden Staffeln konzentrieren sich sehr auf die Kerncharaktere der Kapuziner, da ist es schon von Vorteil, dass die sympathisch und interessant geraten sind.

Meine Lieblingsstaffel war aber die dritte (und vermutlich letzte). Denn nach der zweiten Staffel beendigen die Kapuziner ihr Studium und werden in der dritten Staffel in Gemeinden eingeteilt und müssen sich dort nun als Priester beweisen. Daneben gibt es noch eine Storyline, die größtenteils im Vatikan spielt, der ich zeitweise zwar nicht gänzlich folgen konnte, die aber trotzdem auch spannend war.

Und weil ich jetzt so viel Positives gesagt habe, zum Schluss noch ein bisschen Kritik: Die Serie hat, wie so viele andere Serien auch, hauptsächlich männliche Charaktere. Natürlich ist das auch ein bisschen der Thematik geschuldet, allerdings gab es durchaus ja weibliche Charaktere – die meisten blieben nur sehr Rande und spielten kaum eine Rolle.

Insgesamt ist Ainsi aber eine meiner absoluten Lieblingsserien, die nicht aus den USA oder UK kommen. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, der Serie eine Chance zu geben, wenn man eher ruhige Charakterdramen mag (denn besonders actionreich ist Ainsi nicht).

7 Kommentare

    • Ich unterstütze das! Sie ist wirklich etwas speziell und sehr…schrullig trifft es ganz gut 😀

  1. Hellfjord ist genial, kann ich auch sehr empfehlen – es ist schade, dass es nur eine Staffel gibt.

    Ansonsten war Lazy Company – Band of Losers (F) auch sehr schön, das hatte mir ein Kollege empfohlen.

  2. Also die letzte Serie spricht mich jetzt am meisten an, das könnte echt interessant sein. Action muss ja nicht immer sein, aber die Serie darf dann trotzdem keine Längen haben.

    Ansonsten finde ich, dass es gerade vermehrt tolle europäische Produktionen gibt und da gerade aus Frankreich ziemlich tolle Serien kommen und auch in Planung sind. Ich kann dir „Versailles“ empfehlen, welches die Intrigen und Lügen am Hofe des Sonnenkönigs zeigt und richtig unterhaltsam ist. Vom Stil her ist es wie „The Tudors“ und nicht ganz so anspruchsvoll wie manch andere Historienserie, das kann man recht flott durchschauen. Ansonsten liebe ich ja noch Profiling Paris und würde mir das auf den Streaminganbietern auch wünschen, weil ich bei Sat 1 bei der Ausstrahlung irgendwann rausgekommen bin. Aber die Fälle waren da immer einzigartig, mega interessant und die Storylines der Figuren auch sehr spannend. Hatte eine gute Mischung aus Fall der Woche und Roten Faden.

    Was bei mir noch auf der Wunschliste steht ist „Die Medici – Herscher aus Florenz“, wo ich hoffe das es bald auf Netflix verfügbar ist, weil die ja die Produzenten dahinter sind. Und auch sonst möchte ich auf Netflix in einige europäische Originale reinschauen wie „Marseille“ oder „die Telefonistinnen“, was ja eine spanische Eigenproduktion ist. Auch eine portugisische habe ich noch in der Watchliste und finde es super, dass der Anbieter mittlerweile in ganz Europa produziert, somit fließt da auch viel Geld in die heimische Produktion.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ich habe das leider einmal in einer Diskussion in einer Blogger Facebook Gruppe gelesen, da kam das Kommentar sogar sehr oft und hatte mich dann auch geärgert und schockiert, weshalb es bei mir auch so hängen geblieben ist. Ich kann das auch nicht nachvollziehen, zu mal es da ja auch um den Spaß geht. Ich lese sowas auch gerne bei anderen, genau aus dem gleichen Grund. Habe da schon so viele tolle Blogperlen entdeckt, die ich sonst wirklich missen würde.

    Genau das ist be mir auch der Grund. Ich möchte mich zum einen für die Mühe bedanken und die Zeit die man sich genommen hat den Artikel zu lesen und oftmals sich dann auch noch Gedanken darüber zu machen. Dazu freue ich mich einfach über jeden tollen Kommentar, weil dass das beste Feedbakr für mich ist.

    Das hoffe ich doch ;).

    • „Die Telefonistinnen“ fand ich super, das kann ich wirklich empfehlen! Marseille auch, wobei ich das eher aus Meta-Gründen, die mir der Besetzung zu tun haben, unterhaltsam fand.
      Ich finde auch super, dass Netflix die Produktion außerhalb der USA ausbaut und freue mich schon total, was da noch so alles kommen wird.
      Versailles werde ich mir mal anschauen, Historienserien sind normalerweise nicht so wirklich mein Ding, aber es gibt ja bekanntlich immer Ausnahmen von der Regel 🙂

      Ich lese nicht mehr in Bloggergruppen. Ich bin auf Facebook noch in einer, weil gelegentlich mal ein guter Artikel dabei ist. Aber die Diskussionen ignoriere ich völlig, weil erfahrungsgemäß meistens nur die Leute diskutieren, die Meinungen vertreten, mit denen ich nichts anfangen kann. Also mache ich mir den Stress erst gar nicht mehr.

  3. Pingback: Das war der Juli 2017 – Christel Cowzy

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