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3 Jahre Einzelhandel – ein Abschied

Normalerweise habe ich nichts gegen Montage. Ich mochte Sonntage immer am wenigsten, weil sie sich immer nutzlos angefühlt haben. Diese Woche jedoch ist der Montag mein Tiefpunkt, denn ich habe meine Arbeitskleidung abgegeben und bin offiziell den letzten Tag Bäckereiverkäuferin.

Ich habe gekündigt habe ich wegen meines dualen Studiums, daneben werde ich keine Zeit haben, um zu arbeiten – mal davon abgesehen, dass der Arbeitgeber es auch nicht erlaubt. Damit geht eine dreijährige Zeit zu Ende, in der ich so gut wie jedes Wochenende hinter einer Kasse stand und Dinge verkaufte, in der ich mich vielfach anmeckern lassen musste, in der ich aber auch ganz tolle Kunden kennengelernt habe.

Die Kunden

Ich hab 2 1/2 Jahre an einer Tankstelle gearbeitet, bis ich dann das letzte Jahr in die Bäckerei gewechselt bin. Die Gründe dafür sind vielfach, kompliziert und eigentlich nicht wichtig. Am Ende war die Arbeit ähnlich, zwei von drei Arbeitsstationen liegen sogar nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und die Erfahrungen fast identisch.

Das Tolle und aber auch das Schlechte am Einzelhandel sind die Kunden (wobei das auf jede Branche zutrifft, die mit Kunden zu tun hat). Die meisten Menschen sind zumindest höflich, mindestens aber nicht unfreundlich. Am Ende des Tages bleiben aber meist nur diejenigen im Gedächtnis, die sich durch besondere Unfreundlichkeit auszeichneten.

Gerade an der Tankstelle ist es ein lustiges Phänomen, dass sich Leute gerne über Dinge beschweren, die nicht in den Händen der Angestellten liegen. Absoluter Bestseller dabei: Die Spritpreise. Wenn ich einen Euro für jedes Mal bekommen hätte, wenn ich einem Kunden erklären musste, dass ich mir den hohen Spritpreis nicht selber ausgedacht habe und es mich und mein Auto auch nervt, wäre ich schnell reich genug gewesen, um kündigen zu können. In der Bäckerei wird sich gerne beschwert, wenn wir nachmittags nicht mehr alles da haben. Ich kann den Unmut ja verstehen, aber ich als Angestellte hinter dem Tresen kann daran leider auch nichts ändern. Es bringt also wirklich überhaupt nichts, sich über solche Dinge zu beschweren. Das kostet alle Beteiligten nur unnötig Nerven.

Sehr nett fand ich auch immer die Menschen, die keine Zeit dafür hatten, mich zu begrüßen oder mir auch einen schönen Tag zu wünschen. Ernsthaft, wie schwer kann es sein, sich ein „Hallo“ und „Tschüß, schönen Tag noch.“ aus den Rippen zu leiern? Ich weiß, dass es den meisten Leuten egal ist, ob ich einen schönen Tag habe, unhöflich ist es in meinen Augen dennoch, einfach nicht auf meine Verabschiedung zu antworten. Oder gar nicht mit mir zu sprechen außerhalb der hastig runtergeleierten Bestellung.

Es gab in drei Jahren aber auch zahlreiche Kunden, die ich wirklich toll fand. Da war die ältere Frau, die jeden Sonntag morgen an der Tankstelle Brötchen mit ihrem Hund holte und mich ihn knuddeln ließ. Da war der Taxifahrer, der mir Baklava schenkte und einmal in seinem Taxi wartete, bis ein betrunkener Mann abends das Gelände verlassen hatte. Da war der Mann mit Indiana Jones Hut, der mir ein großes Stück von der besten Ahlen Wurscht zum Probieren gab. Da war der Busfahrer, der mich darauf aufmerksam machte, dass mein Abblendlicht kaputt sei. Da war das Ehepaar, dass sich erkundigte, ob meine Bänderdehnung denn wieder verheilt sei. Und da waren noch unzählige mehr, die mit kleinen Gesten die Arbeit super machten.

Der Laden

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit war immer der Laden. Regale mussten aufgefüllt, Oberflächen mussten geputzt, Geschirr musste gespült werden. Das war der Teil der Arbeit, den ich immer nur so semi-cool fand. Wichtig ist es aber trotzdem, dass der Laden gut aussieht, auch wenn es vielleicht nicht so wirklich Spaß macht.

Ich mochte allerdings die Verantwortung, die damit kam, alleine den Laden zu öffnen oder zu schließen. Ich fand es super cool, einen eigenen Schlüssel zu haben und für kurz so tun zu können, als sei ich die Herrin im Haus.

Die Kollegen

Der vielleicht wichtigste Faktor bei so gut wie jeder Arbeit sind die Leute, mit denen man arbeiten muss. Ich hatte im Großen und Ganzen wirklich Glück und hatte nie Kollegen, die wirklich furchtbare Menschen waren.

Natürlich habe ich mich manchmal geärgert. Aber das ist ja auch normal. Ich bin mir sicher, dass sich andere auch über mich geärgert haben. Aber gerade das letzte halbe Jahr in der Bäckerei war ich Teil eines wirklich super Teams mit Leuten, die sich viel mehr wie Freunde angefühlt haben und nicht nur als Kollegen, die man ab und an mal an der Arbeit trifft. Gerade auch deshalb war ich jetzt auch wirklich traurig, diesen Job aufgeben zu müssen.

Das Fazit

Ich habe mich wirklich nicht wenig beschwert in den letzten drei Jahren. Trotzdem bin ich immer gerne an die Arbeit gegangen. Und wie schon gesagt, ich bin schon etwas traurig, dass dieses Kapitel jetzt endgültig zu Ende ist.

Aber ich freue mich auch auf das duale Studium. Und meine jetzt ehemaligen Kolleginnen kann ich ja immer noch besuchen gehen.

4 Kommentare

    • Anne

      Genau, ein duales Studium hab ich angefangen.
      Aber immerhin habe ich nicht mehr dauerhaften Kundenverkehr (zumindest bei den meisten Stellen nicht) und werde dafür dann auch noch besser bezahlt 🙂

  1. Ich habe jahrelang bei meinem Vati in der Gaststätte gearbeitet. Das ging bereits los als ich 14 Jahre alt war und hielt an bis ich so 24 war. Da hat man auch einige Gestalten getroffen und unhöfliche Menschen.

    Sei es, weil ein komplettes Mittagessen für 4,80 € eine Unverschämtheit sei, weil es so teuer sei… Aha, woanders isses wohl billiger gewesen?

    Egal, oft gab es schöne Zeiten, aber leider immer mal Menschen auf die man hätte verzichten können.

    Und wer weiß wohin dein Weg dich noch so verschlägt 🙂

    • Anne

      4,80 Euro für ein komplettes Mittagessen ist wirklich nicht teuer, aber für manche Leute ist umsonst noch zu teuer -.-

      Mir geht das auch so, das Gute überwiegt in der Retrospektive auf jeden Fall und ich möchte die Erfahrungen auch nicht missen.

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