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Lieblingsmusicals: bare

Vor etwas über drei Jahren stolperte ich beim Surfen auf tumblr über diesen Post, unter den jemand geschrieben hatte, dass bare eines der besten Libretti habe. Das, in Kombination mit der im Post gezeigten Zeile, war für mich Grund genug, dem Musical eine Chance zu geben. Was folgte ist, wie so schön gesagt wird, Geschichte.

Bare wurde sehr schnell zu einem absoluten Favoriten.

Eckdaten
Musik: Damon Intrabartolo
Lyrics: Jon Hartmere Jr.
Libretto: Damon Intrabartolo, Jon Hartmere Jr.
Premiere: 2000 in Los Angeles
Songs: 36 in 2 Akten
Länge: ca. 2 Stunden

 

Worum geht’s?

Bare spielt in einem katholischen Internat und handelt von der geheimen Beziehung der Schüler Peter und Jason. Weitere wichtige Rollen spielen Nadia, Jasons Schwester, die mit ihrem Verhältnis zum eigenen Körper kämpft und Ivy, die verloren ist zwischen Popularität und Einsamkeit.

Die Musik

Bare ist ein komplett gesungenes Musical. Zwar gibt es auch gesprochenen Dialog, der ist jedoch meist in Songs eingebettet (der Titel Pop Opera ist also nicht nur ein schick klingender Untertitel, sondern beschreibt tatsächlich auch das Konzept des ganzen Musicals). Die Musik bewegt sich im Bereich des Rock Musicals und hat einen ähnlichen Anspruch, den auch Rock Musicals wie Spring Awakening oder Next To Normal haben.

Einen schönen Einblick in die musikalische Welt von bare gibt das folgende Video. Epiphany ist der erste Song des Stücks und gleichzeitig einer meiner Favoriten. Beim ersten Mal durchhören blieb ich sofort am Choral am Anfang hängen und wusste sofort: Das wird gut:

Ein großer Pluspunkt der Musik ist, dass viele musikalische Motive mit Inhalt aufgeladen werden, um sie später wieder zu benutzen. Gerade bei durchgesungenen Musicals bietet sich diese Praxis natürlich an und bei bare wurde das wirklich schön ausgestaltet. Oftmals geben diese Rückbezüge den Songs viel mehr Tiefe, als sie ohne den Rückbezug gehabt hätten. Außerdem macht es – zumindest mir – großen Spaß, zu knobeln, an welcher Stelle die Musik schon mal zu hören war.

Ein weiteres, absolut erwähnenswertes Detail, ist die musikalische Gestaltung der Shakespeare Szenen: Innerhalb des Stücks üben die Schüler Romeo und Julia ein und statt die Texte zu sprechen, werden sie gesungen. Diese Szenen gehören sowohl musikalisch als auch visuell zu meinen Lieblingen des Musicals. Ganz besonders folgender Song, der eine verkürzte Version der Queen Mab Rede ist:

Die Charaktere

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Schöne an bare sei, dass das Musical einem viele Möglichkeiten gibt, sich zu identifizieren. Ich finde die Fundstelle leider nicht mehr, aber der leider unbekannte Autor hat Recht: Bare besteht aus diversen Charakteren, die mit einer Vielzahl von Problemen konstruiert wurden, die so – oder so ähnlich – Viele betreffen. Und das ist für mich auch das Schöne an den Charakteren – sie fühlen sich real an. Und manchmal muss es gar nicht mehr sein.

Die Aufnahmen

Bare ist in Sachen Aufnahmen ein bisschen wie Les Misérables – auf ganz, ganz kleiner Ebene. Es gibt zwei Aufnahmen mit Highlights – eine aus 2004 des Original Off-Broadway Casts und eine aus 2013 des Los Angeles Casts, der im ersten Video dieses Posts zu sehen ist. (und die immer noch frei verfügbar ist – legal natürlich. Die Produktionsfirma postete diesen Link). Allerdings gibt es auch eine Komplettaufnahme: 2007 aufgenommen und unter anderem mit Matt Doyle als Peter. Digital ist die via iTunes verfügbar, für eine physische Kopie müsste relativ viel Geld in die Hand genommen werden. Diese Aufnahme enthält wirklich das ganze Stück mit allen Songs und allen Dialogfetzen. Der Cast ist insgesamt nicht mein Liebster (teilweise schon, gerade Matt Doyle als Peter mag ich sehr gerne), aber es ist eine optimale Möglichkeit, um das Musical immer bei sich tragen zu können.

Fun Fact: Ich tagge Musicals immer mit dem Namen des Komponisten – damit lastFM mir möglichst genaue Statistiken liefern kann. Und inzwischen ist die Gesamtheit aller bare-Aufnahmen mein viertmeist gespielter Interpret.

Die optimalste Möglichkeit, um das Musical erst mal kennenzulernen, ist übrigens hier zu finden: Eine Komplettaufnahme der schon erwähnten Los Angeles Produktion aus 2013 in relativ guter Qualität. Daneben gibt es zig andere, kleinere Produktion in ihrer Gesamtheit auf youtube zu bewundern – aber die aus Los Angeles ist doch mein Favorit.

Lieblingssongs

Role of a lifetime (der erste emotionale Solosong und der Song, aus dem die Zeile „so we drive ourselves insane, spinning circles in our souls“ stammt – eine meiner Lieblingszeilen).
Wonderland – einer der schnelleren Songs.
Ever After – die Studioaufnahme gibt leider nicht wieder, wie schmerzhaft dieser Song ist, wenn er gespielt wird.
Wedding Bells – der Beginn des zweiten Aktes und vielleicht der seltsamste Song.
Cross – generell ist es einfach, mit Peter mizufühlen statt mit Jason, Cross ist allerdings einer dieser Songs, der mich Jason fast lieber mögen lässt.
No Voice – einer meiner absoluten Lieblingsfinalesongs.

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