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Ein Tag im Leben #1

Mein Tag beginnt früh, aber nicht so früh wie letztes Jahr um die Zeit. Mein Handy spielt nacheinander Help Is On The Way von Rise Against, Find You There von We The Kings und Ok von Farin Urlaub im Abstand von einigen Minuten. Das ist mein lange erprobter Trick gegen Verschlafen: Mehrere Wecker stellen in kurzem Abstand statt die Snooze-Funktion zu nutzen.

Ich ärgere mich, dass mein Vater gestern Abend den Rest vom Abendessen in eine zu große Tupperdose packte, die nicht in meine abgewetzte, mit Farbklecken verzierte Ledertasche passt. Es ist auch keine andere Dose gespült, also lasse ich die Nudeln zuhause und nehme nur ein Brot mit.

Der Bus ist pünktlich. Das ist sehr schick, nachdem er gestern zu spät gewesen war, vor einem Bahnübergang warten musste und im Stau stand. Und er ist leer, ein sehr netter Nebeneffekt des frühen Aufstehens und des frühen Arbeitsbeginns.

Ich kann die Türen an der Arbeit wieder öffnen. Das hatte Freitag von einen Tag auf den anderen nicht mehr geklappt, weil irgendein Update meine Berechtigungen überschrieben hatte. Gestern hatte die Geschäftsstelle das dann wieder gerichtet.

Ich veranlage einen Fall. Es ist ein einfacher Fall, der mich eine Viertelstunde beschäftigt. Danach sind die Fälle wieder leer, ein Problem, das sich Moment durchzieht. Wir arbeiten zu schnell und können zu wenig, um schwierige Fälle zu bearbeiten. Also bekommen wir einfache Fälle, davon zu wenig und haben zu viel Freizeit. So auch heute, mein einer Fall ist bearbeitet und ich lese ein bisschen, zuerst The Rehearsal und dann Infomaterialien zum Umgang mit Verschwörungstheoretikern. Dabei werde ich von einem niemals abbrechenden Redefluss vom Nachbartisch gestört, den ich nicht ausblenden kann.

Der Tag plätschert vor sich hin. Irgendwann bringt jemand neue Akten und ich laufe ein bisschen durchs Haus, weil ich eine falsche Akte bekommen habe. Zwischendurch bekomme ich Rückmeldung über die heutige Nachholklausur der Zwischenprüfung, die jemand schrieb. Die fällt heute positiv aus, was die Laune hebt.

Um 14 Uhr gehe ich, anderthalb Stunden zu früh, aber wir haben jetzt Gleitzeit, also geht das. Ich habe einen Arzttermin und muss dahin noch ein bisschen Straßenbahn fahren, außerdem habe ich die Uhr meines Großvaters in der Tasche, die eine neue Batterie benötigt. Das erledige ich, schneller als gedacht, und dann bin ich viel zu früh beim Arzt und sitze inmitten milde genervter Menschen im Wartezimmer.

Der Arzt macht spannende Dinge wie einen Lungenfunktionstest mit mir, der zwar nicht so wirklich was mit dem Verdacht auf irgendeine Allergie zu tun hat, aber immerhin funktionieren meine Lungen toll und das ist doch auch mal was. Zwar bin ich jetzt immer noch nicht schlauer, aber ich sehe das Positive. Meiner Lunge geht’s gut.

Ich mache mich auf dem Heimweg und verpasse beim Umsteigen meinen Bus. Der nächste hat Verspätung, ist dafür aber sehr leer. Und weil ich mir angewöhnt habe, mich nicht mehr über alles zu ärgern, konzentriere ich mich darauf statt auf die Uhr.

Während der Bus vor sich hin fährt, denke ich darüber nach, was ich heute noch vor habe. Eine Serie schaffe ich wohl nicht mehr, und dann ist da ja auch noch der Blog. Natürlich könnte ich einfach nichts schreiben, aber ich habe mir das tägliche Bloggen doch vorgenommen und will nicht schon an Tag 6 aufgeben. Also bediene ich mich eines Mittels, dass ich schon vor zwei Jahren gerne angewandt habe: Ich erzähle von meinem Tag. Und ich denke mir, dass ich das öfters tun sollte.

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