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In Kürze: Serien aus Mexiko

Club de Cuervos

InfoPlotTrailer
Genre: Dramedy
Umfang: 23 Folgen in 2 Staffeln, jeweils ca. 40 Minuten lang
Ansehen: Netflix
Regie: Gary Alazraki, Carlos Armella
Drehbuch: Alessia Costantini, Jay Dyer, Russell Eida
Darsteller:  Luis Gerardo Méndez, Stephanie Cayo, Mariana Treviño, Daniel Giménez Cacho, Antonio de la Vega
Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters müssen Isabel und Chava Iglesias die Leitung der väterlichen Fußballmannschaft. Neben der Frage, wer von beiden denn nun Präsident_in wird, gibt es auch allerlei andere Probleme innerhalb des Clubs zu lösen.

Club de Cuervos klingt zunächst wie ein pures Familiendrama: Tod eines Elternteils, Streit ums Erbe, der Schatten des großartigen Vaters und der Versuch, die Familie zusammenzuhalten sind alles Bestandteile, die zentrale Rollen in Club de Cuervos spielen. Eine gute Mischung, wenn man mich fragt.

Beginnen wir mit Chava und Isabel, den sich bekriegenden Geschwistern, die zweifelsohne im Mittelpunkt der Serie stehen. Die grundlegende Konstellation beider Charaktere ist recht einfach und nichts neues: Isabel, die pflichtbewusste Tochter, die ihr ganzes Leben auf die Präsidentschaft hingearbeitet hat und übergangen wird, wird ihrem Bruder Chava gegenüber gestellt. DIeser lässt sich am Treffendsten als spoiled brat zusammenfassen, der am Ende aufgrund nichtiger Gründe den Vorzug vor Isabel erhält. Es wurde hier also ein ganz klassischer Geschwister-Konflikt konstruiert, in dem verantwortungsvoll gegen töricht kämpft. Ich persönlich bin großer Fan dieses Konflikts (der zum Beispiel auch tragende Rolle in Favoriten meinerseits wie Charmed, Political Animals oder auch das schon erwähnte Six Feet Under spielt), jedoch muss die Umsetzung mehr zu bieten haben als nur ein Konzept, dass mir gut gefällt.

Isabel und Chava sind keine wahnsinnig komplexen Charaktere (wie auch jegliche anderen Charaktere). Das ist aber auch nicht der Anspruch der Serie. Stattdessen haben beide recht einfach zu verstehende Motive, die (meistens) nachvollziehbar sind, und orientieren sich stark an ihre grundlegenden Stereotypen.

Isabel ist fast schon besessen vom Erbe ihres Vaters, kämpft verbissen darum, Präsidentin zu werden, und bedient sich dabei auch Mittel, die weder juristisch noch moralisch einwandfrei sind. Motiviert wird sie dabei vom Bedürfnis, ihren ihrer Meinung nach verdienten Platz in der Mannschaft einnehmen zu können.

Die Storylines ist überspitzt und zeitweise sehr telenovela-artig – aber genau das macht die Serie so unterhaltsam. Insgesamt gehört Club de Cuervos zu meinen liebsten Netflix-Eigenproduktionen und ich kann die Serie nur empfehlen.

Ingobernable

InfoPlotTrailer
Genre: Drama
Umfang: 15 Folgen in 1 Staffel, jeweils ca. 40 Minuten lang
Ansehen: Netflix
Regie: Pedro Pablo Ibarra
Drehbuch: Fernanda Eguiarte, Luis Gamboa, Jason George
Darsteller:  Kate del Castillo, Marco Treviño, Joel Clark Ackerman, Eréndira Ibarra, Alberto Guerra, Erik Hayser 
Emilia Urquiza ist die First Lady Mexikos- bis ihr Mann, Präsident Diego Nava vor ihren Augen ermordet wird. Schnell gerät sie in Verdacht und muss die Wahrheit aufdecken, bevor es zu spät ist.

Ingobernable wurde mir irgendwo als das mexikanische House of Cards verkauft. Das klang für mich nach einem absoluten Erfolgskonzept, schließlich mochte ich House of Cards und hatte erst vor kurzem mit Club de Cuervos eine tolle mexikanische Serie gesehen. Also sah ich mir die Serie an.

Um es vorwegzunehmen: Ingobernable ist nicht wirklich wie House of Cards. Im Mittelpunkt steht nicht der politische Alltag in der Führungsriege eines Landes, sondern eine Frau, die beim Versuch, ihren Namen reinzuwaschen, Korruption und allerhand Geheimnisse aufdeckt.

Im Gegensatz zu Club de Cuervos ist Ingobernable weniger albern, sondern bleibt dem Genre des Dramas treu. Das macht es beizeiten doch etwas arg kühl, was auch daran liegen mag, dass die Serie sehr lange braucht, um ihre Protagonistin wirklich vorzustellen. Die Serie startet mit dem Mord an dem Präsidenten, den Emilia Urquiza beobachtet. Ihre Reaktion darauf ist die Flucht, was, zumindest für mich, sehr lange eine nicht wirklich nachvollziehbare Reaktion blieb.

Ich muss sagen, dass ich den Anfang der Staffel auch aus genau dem Grund nicht wirklich spannend fand. Mit Emilia wurde ich nie wirklich warm, was dem geschuldet ist, dass ich so lange nicht verstehen konnte, wie sie handelt. Erst später, als auch andere Charaktere neben Emilia verstärkt auftreten, nahm die Serie für mich an Fahrt auf und begann, mich wirklich zu interessieren. Denn die Nebencharaktere bekamen von Anfang an, oder zumindest recht schnell, Hintergründe und Vergangenheiten, die sie anschaulicher machten.

Insgesamt fand ich Ingobernable okay. Die Idee, eine Präsidentengattin des Mordes an ihrem Mann zu beschuldigen und sie dann bei der Wahrheitssuche zu begleiten, ist spannend. Für mich mangelte es jedoch etwas an der Umsetzung in den ersten Folgen und an der Protagonistin.

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