Schlagwort: Serienreview

The Team: Staffel 1

InfoPlotTrailer
Genre: Crime/Drama
Umfang: 8 Folgen, jeweils ca. 57 Minuten lang
Ansehen: Netflix
Regie: Kasper Gaardsøe, Kathrine Windfeld
Drehbuch: Mai Brostrøm, Peter Thorsboe
Darsteller: Lars Mikkelsen, Jasmin Gerat, Veerle Baetens, Ida Engvoll, Carlos Leal, Nicholas Ofczarek
In Antwerpen, Berlin und Kopenhagen geschehen drei Morde an Prostituierten, die schnell miteinander in Verbindung gebracht werden. Also wird ein Team aus Ermittlern in allen drei Ländern zusammengestellt: Harald Bjørn (Lars Mikkelsen) aus Dänemark, Jackie Mueller (Jasmin Gerat) aus Deutschland und Alicia Verbeeck (Veerle Baetens) aus Belgien. Schon bald wird klar, dass das Ausmaß der Verbrechen viel größer ist, als anfangs angenommen.

Der Hintergrund

Ich mag Lars Mikkelsen unheimlich gerne (seit Forbrydelsen) und folge seit einiger Zeit einer von Fans geführten Facebook-Seite, die mir immer die brandheißen News über ihn in mein Feed spült. Und irgendwann wurde dann eben The Team angespült und alle Variablen klangen gut: Skandinavische Crime-Serie, langsames Tempo und guter Cast.

Der Plot

Hm. So an sich betrachtet ist der Fall, der den Plot der ersten Staffel hauptsächlich ausmacht und dessen Auflösung sich über alle 8 Folgen lang erstreckt, gar nicht so schlecht konstruiert. Es hapert allerdings ein wenig an der Umsetzung. So ist der Bösewicht hinter den Morden (und dem Rattenschwanz, den diese hinter sich herziehen) relativ schnell ausgemacht. Das finde ich spannungstechnisch immer etwas schwierig, gerade wenn sich die Serie eigentlich ja viel Zeit dafür lassen könnte. Insbesondere fällt das bei Vergleich mit Serien wie Forbrydelsen (Kommissarin Lund) oder Bron Broen (Die Brücke) auf, bei denen der jeweilige Fall seine Auflösung erst kurz vor Schluss der Staffel findet.

The Team löst den Fall also relativ früh – kann danach aber leider nicht mehr so recht überraschen. Ich hatte ja vermutet, dass es am Ende noch einen weiteren Twist geben würde. Aber nein, The Team hält sich danach nur noch damit auf, dem Zuschauer klar machen zu wollen, was für einen superbösen Bösewicht sich die Macher ausgedacht haben (als ob das nicht schon vorher klar gewesen wäre).

Aber auch abseits der Ermittlungen ist viel los: Alle drei Ermittler bekommen Unmengen an Backstory verpasst. Das ist prinzipiell erstmal nichts schlechtes; ich erfahre gerne mehr über die Ermittler in Krimi-Serien. Zeitweise hatte ich aber das Gefühl, The Team verliere sich etwas in Nebenplots über die Ermittler, die im Endeffekt kaum etwas zum Weiterkommen der Handlung beitrugen.

Grundsätzlich hatte ich ein wenig das Gefühl, dass sich die Macher nicht recht entscheiden konnten, ob sie nun eine Serie in Tradition von Nordic Noir Klassikern wie Forbrydelsen oder eine eher an die actionreicheren Krimiserien aus dem US-amerikanischen Raum machen wollen. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der sich für genau die falsche Mischung aus beidem entschieden hat. So möchte The Team gleichzeitig langsames Charakterdrama und handlungsreicher Krimi sein; eine Mischung, die hier leider nur mittelmäßig funktioniert.

Die Figuren

Ich bin grundsätzlich kein großer Fan von Crime-Serien. Ich finde die Fälle meistens nur semi-spannend und wenn die Serie dann keine guten Figuren hat, bin ich raus. Wie eben schon erläutert, hat mich der Plot von The Team nicht so richtig überzeugt. Die Figuren schon eher.

Trotz wirklich viel Plot rund um die drei Ermittler (unter anderem Ehepartner unter Mordverdacht, alkoholkranke Eltern und Jahre zurückliegende Affären) schafft es The Team nicht wirklich, in Sachen Charaktere an die Nordic Noir Vorbilder anzuknüpfen. Die Figuren sind allerdings auch kein totales Desaster, sondern ordnen sich irgendwo dazwischen im großen Feld der mittelmäßig guten Charaktere ein.

Bei mir persönlich wollte im Laufe der 8 Folgen wirkliches Interesse gegenüber den Hauptcharakteren nur gegenüber Alicia aufkommen. Natürlich hatte sie auch wirklich viel Plot im Privatleben, andererseits war auch bei Jackie Mueller viel los und mit Jackie konnte ich nicht warm werden. Harald lief irgendwo dazwischen.

Was mir etwas gefehlt hat, waren größere Gegensätze, die meine liebsten Ermittlerduos oder -teams ausmachen. Als Beispiel soll ein weiteres mal Die Brücke dienen, in der Saga und Martin schon sehr unterschiedlich sind, aber gerade das die Spannung ausmacht. In The Team hingegen fehlen mir die Reibereien, mir fehlt die Spannung zwischen den Charakteren. Das liegt auch daran, dass die drei Ermittler viel in ihren eigenen Revieren ermitteln und nur wenig unmittelbar miteinander agieren. Das ist dem Konzept geschuldet und mag für andere funktionieren, für mich jedoch eher nicht.

Positiv anmerken möchte ich aber noch, dass ich die Riege der Nebencharaktere wirklich großartig fand: Ich mochte beispielsweise Kit Ekdal, die dänische Computerexpertin, oder Natascha Stark, Jackie Muellers Assistentin, wirklich sehr gerne.

Insgesamt sind die Figuren Mittelmaß, sie sind nicht schlecht, aber auch keine, denen jemand vierstellige Postzahlen auf dem eigenen tumblr-Blog widmen würde. Trotzdessen helfen die Figuren über den semi-optimalen Plot hinweg und haben es geschafft, dass ich bis zum Schluss dran geblieben bin.

Das Intro

Intros sind für mich ein wichtiger Bestandteil einer Serie, deswegen möchte ich auch ein paar Worte dazu verlieren.

Das Intro zu The Team bietet tolle Musik und ein tolles visuelles Konzept. Beide Komponente harmonieren dann auch noch gut zusammen, was meinen Eindruck der Serie doch etwas aufgewertet hat. Besonders schön fand ich die Porträtaufnahmen der Charaktere, die benutzt wurden.

Leider gibt es momentan das Intro isoliert nirgends zu sehen, sollte sich das wieder ändern, würde ich das nachreichen. Ansonsten kann sich der Netflix-Nutzer das Intro auch in einer beliebigen Folge selber angucken.

Das Fazit

The Team fällt für mich in die Kategorie „durchschnittlich“. Ich habe definitiv schon einige wesentlich schlechtere Serien gesehen, aber eben auch schon einige wesentlich bessere. Trotzdem habe ich The Team doch gerne geguckt und hatte nicht das Bedürfnis, nach der Hälfte aufzuhören.

Da ich meine Reviews ja immer mit Punkten abschließe, würde ich The Team mit 6 von 10 Punkten bewerten.

Dieser Text erschien im Januar 2016 auf meinem alten Blog. Ich habe hier und da lediglich ein paar Kleinigkeiten abgeändert.